WASSERLANDSCHAFTEN  
[aquamediale® 6]

Internationales Kunstfest mit 11 Künstlern aus sechs Ländern
 

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Natur. Tourismus. Kunst
Alljährlich im Juni lädt der Landkreis Dahme-Spreewald bildende Künstler in die Lübbener Wassergalerie ein. An der Schnittstelle von Natur, Tourismus und Kunst wird in ortsbezogenen Dialogen die Welt des Wassers durch persönliche und kulturelle Spurensicherung, durch Untersuchung und Überprüfung der Realität erfasst. Fast alle Mitwirkenden greifen gestaltend in die Landschaft des Spreewaldes ein und beabsichtigen zugleich den sozialen Raum zu treffen. Dabei provozieren die Künstler der diesjährigen aquamediale 6 weniger die  wiederkehrende Auseinandersetzung mit den Problemen von „Kunst im öffentlichen Raum“, sondern legen Wert auf die soziale Komponente des Themas und zielen auf die gesellschaftliche Funktion von Kunst.
Dass die Künstler der aquamediale sich auf Spurensuche nach der verloren gegangenen Einheit von Natur und Mythos, von Wissenschaft, Kunst und Politik begeben, hat inzwischen Tradition. Dass sie dieses mit künstlerischen Mitteln tun und nicht als agitatorische Interventionen inszenieren, gehört zum Wesen des internationalen Kunstfestes, dessen Ideen auf eine  Neuorientierung unserer Existenz ausgerichtet sind. Im Ergebnis dessen stehen weniger die sinnenhaften Vorstellungen und Wandlungen im Raum, als deutlich markierte Bezüge zu gesellschaftlichen Zuständen, zur Außenwelt schlechthin, wobei Phänomene wie Banalitäten gegenwärtigen Daseins gleichermaßen bildhaft umgesetzt werden. Darum kommt es auch weniger auf die persönliche künstlerische Geste an, als auf die Verantwortung des Künstlers in seiner Zeit.
Unabhängig davon, ob es mit moralischem Unterton oder auf unterhaltsame Weise geschieht, thematisieren die Künstler der aquamediale 6 Probleme und Konflikte  der postindustriellen Gesellschaft, die durch maßlosen Konsum, Überfluss und Umweltverschmutzung charakterisiert sind. Zur Anschauung gebracht wird diese Verantwortung mit dem Balanceakt von Andrea Jameson, die unmissverständlich auf den Zustand der gefährdeten Trinkwassersituation verweist. Überzeugend gelingt das mit der trivialen Identifikation bei Wilfried Gentke, der innerlich aufgewühlt, in seinen bizarren Metaphern der verendeten Mülltiere alle Facetten des Finalen konsequent durchspielt und damit überdeutlich das Verstricktsein des Einzelnen in die gesellschaftlichen Belange aufzeigt. Vor diesem Hintergrund nur kritische Potenz oder ein Dokumentieren der eigenen Geisteshaltung zu vermuten, welche Rückzug oder Flucht vor der Wirklichkeit ausschließt, würde zu kurz greifen. Davon unberührt erweisen sich auch Margarita Pellegrins Objekte mit dem Titel „Uns steht das Wasser bis zum Halse“, die als Metaphern Bedenkenlosigkeit und Leichtfertigkeit unseres Handelns markieren. Da wirkt der Meditationsstuhl von Beate Bolender schon eher als ein Ort innerer Einkehr und (Rück)Besinnung.
Die Künstler verstehen sich aber nicht nur als Mahner mit erhobenem Zeigefinger, sie sehen sich selbst als Beteiligte, Mittäter und Betroffene. Als solche richten sie sich an den Betrachter, der nicht als stummer oder überforderter Konsument gefragt ist, sondern als Akteur, als einer, der sich aktiv in die Beziehung zwischen Künstler und Werk einmischt und der - ohne gleich dem Zustand von Rebellion zu verfallen – sich am Prozess der öffentlichen Meinungsbildung beteiligt.
                                                                                                                                

HERBERT SCHIRMER, KURATOR DER AQUAMEDIALE



 

[aquamediale® 6]


International Art Festival with 14 artists from eight countries
12th June-15th September 2010


Nature. Tourism. Art
Every year in June the Landkreis Dahme-Spreewald invites artists to the Lübbener Wassergalerie, to the Water Gallery of Lübben, to analyze and comprehend the world of water in dialogues held at the location where nature, tourism, and art meet, by securing evidence from both a personal and a cultural background, through close examination and verification. Almost all the participants intervene creatively in the landscape of the Spreewald, simultaneously intending to aim at social matters. In doing so, the artists of this year’s aquamediale 6 do not provoke the recurring conflict with the problems “Art in the Public Space“ that much, but put emphasis on the value of the social component of the topic and aim at the social function of art.
It has become a long-standing tradition that the artist of the aquamediale search for the clues of the lost unity of nature and myth, of science, art, and politics. It belongs to the essence of the international Kunstfest, the ideas of which are targeted towards a reorientation of our existence, that they apply artistic mediums to do this, that they do not produce agitational interventions. As a result, less sensuous ideas and changes are not as important as the delimited connections to social conditions, to the outside world as such, whereby phenomena and banalities of the present existence are equally formed in an artistic way. Therefore the personal artistic gesture is less important than the responsibility of the artist during his time.
Independent of whether this happens with a moral undertone or in an entertaining way, these artists of the aquamediale 6 explore problems and conflicts of the post-industrial society which is marked by excessive consumption, glut, and pollution. Andrea Jameson’s balancing act which unequivocally points at the endangered situation of drinking water demonstrates this responsibility. The trivial identification of Wilfried Gentke, turbulent as he is, is a convincing success, as, in his bizarre metaphors concerning the perished garbage animals, he consistently traverses all the facets of the finale, thus demonstrating the involvement of the individual in social concerns in an abundantly clear way. It would fall short of the goal to assume only critical power or the documentation of the artist’s own mentality against this backdrop, which excludes withdrawal or escape from reality. Margarita Pellegrin’s objects entitled “The Water is up to our Necks” (“Uns steht das Wasser bis zum Halse“) which mark irresponsibility and frivolity as metaphors of our actions remain unaffected by this. In connection, it is rather Beate Bolender’s meditation chair that is a place of relaxation, reflection, and return.
However, the artists do not only see themselves as finger wagging admonishers, they regard themselves as persons also involved, guilty and affected. As such they address the viewer who is not supposed to be a silent and overstrained consumer but an actor, a person who takes part in the relationship between an artist and his work and – without making it look like rebellion – in the process of the formation of the public opinion.
 

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